Black Days are Mine

Black Days are mine

Es schien einer dieser dunklen und grauen Tage zu werden. Draußen war es nass und kalt und es regnete den bergischen Dauerregen den er schon seit seiner Kindheit so hasst. Er wollte eigentlich nicht los um diesen Job auszuführen, aber ihm blieb keine andere Chance, er brauchte das Geld. Seit er das letzte Mal beim Onlinebanking den PC aus dem 7.Stock des Hochhauses geworfen hatte stand sein Entschluss fest. Nie wieder, nie wieder wollte er in so eine Situation geraten, er würde den Job den man ihm angeboten hatte als er das letzte Mal über die Domplatte gegangen war annehmen und ohne zu zögern nach El Paso reisen um dort die nächsten Instruktionen zu erhalten. Alles was er sich aufgebaut hatte würde er für immer zurücklassen. Es hatte Zeiten gegeben da wäre dies nicht denkbar gewesen, aber nun hatte er alle seine Bilder und Skulpturen einer Stiftung übergeben mit dem Auftrag, sollte ihm etwas zustoßen alles zu vernichten, so als hätte ihn nie gegeben. Er trat also vor die Tür, schlug sich den Kragen hoch und dachte, was für ein mieser Tag. Direkt um die Ecke hatte er seinen 1981 Alpine Turbo2 geparkt, dicht hinter dem Wagen des Angebers aus der 4.Etage, der jeden Sonntag die Felgen seines ultramarin blauen Sierra Kombi mit dem Wattebausch polierte. Die Baureihe des Wagens dachte er im vorbei gehen passt zu der Frisur des Typen, hinten lang und vorne kurz. Ein kurzes „HAHA“ stieg in ihm auf, es erlosch aber sofort wie er bemerkte dass irgendetwas nicht mit seinem Wagen stimmte.

Unter dem Scheibenwischerblatt hing ein Zettel, klein und zusammengefaltet. Langsam, und mit einer kurzen Umdrehung um zu sehen ob ihm jemand gefolgt war riss er das Stück Papier an sich und lass den mit rot geschriebenen Text.

” Guten Morgen Liebelein, super Abend gestern, ich kam gerade hier vorbei und hab mir gedacht ich munter dich ein wenig auf. Wie sieht´s aus, kommst du zu meiner Party? Ich bau auf dich…. Liebste Grüße Hella”

Oh man dachte er in sich hinein, da hatte er ja gar nicht mehr dran gedacht. Seine Muse hatte sich ein Penthouse am Rand der Kölner Innenstadt zugelegt und ihn zur Einweihung eingeladen. Er würde ihr später, wenn er aus den Staaten wieder da war, alles erklären. Mit Tempo 125 verließ er um 5:30 Uhr das Viertel in dem er wohnte und hatte noch genau 35 Minuten Zeit seinen Flug nach El Paso zu erreichen. Wenn das mal alles gut geht dachte er für sich, und da war es wieder, das Lächeln auf seinen Lippen das immer da war wenn er einen Plan hatte. Während er sich seinem Ziel, dem Gate 12 am Flughafen Köln-Bonn näherte dröhnte die Band Southern High in seinen Ohren. Schon ein Hammer dieser neue MP3 Player dachte er, während im Refrain immer wieder “du tötest mich mit all deinen Fragen” zu hören war. Kurz ging er in sich und dachte, verdammt wie recht dieser Sänger doch hat, diese quälenden Fragen bringen mich noch um. Er musste das alles was in den letzten Monaten in seiner Beziehung passiert war irgendwie verarbeiten, hatte aber keinen Weg aus dieser Situation gefunden und sich nun dieser neuen Aufgabe gestellt um sich von sich selbst zu befreien. Titel 3 erschien im Display des Players, und schon waren die Tränen wieder in seinen Augen wie er hörte

”mein größter Feind bin ich,
verhindern kann ich mich nur selbst,
diese Liebe ist meine Angst, ich kann mich nur befreien,
vergessen muss ich Sie und eines Tages mir verzeihen”

Der Schmerz über das was passiert war und die Vorstellung was noch alles passieren könnte zerriss ihn innerlich dermaßen das er sich kurz am Geländer des Cafe an dem er gerade vorbei ging festhalten musste. Draußen startete gerade ein Maschine Richtung Paris. Er hatte sich so sicher in seiner Beziehung zu Maria gefühlt, alles für selbstverständlich genommen und sich dadurch zu sehr von ihr entfernt. Jetzt stand er da, ohne sie, denn sie versuchte ihren eigenen Weg zu finden, ohne ihn an ihrer Seite. Ja sagte er zu sich, ich kann nicht anders als sie zu lassen, ihr die Zeit zu geben die sie benötigt um zu finden was sie sucht. Es war mehr als fair dies zu tun. Mit trockenem Mund und roten Augen bestieg er die Maschine und suchte seinen Sitzplatz. Fasten your seat belts, please! erschien über ihm und nach wenigen Minuten lag Köln als kleiner Punkt unter ihnen und er folg einer ungewissen Zukunft entgegen.

Mitten über dem Atlantik wachte er auf, schweißgebadet und nicht gerade bester Stimmung.        Neben ihm schnarchte eine junge Frau, so wie es einem immer den letzten Nerv raubt wenn man selber kaum zur Ruhe kommt. Er drehte sich um und sah aus dem Fenster links neben ihm. “Schwarz” dachte er, nichts als Schwarz, „dass passt zu meiner Stimmung” und er lachte laut los.    So laut, das die junge Frau neben ihm aufwachte und schlaftrunken fragte” was ist los? Muss ich schon aufstehen? Sind wir da?” Nein, erwiderte er und sah in ihre tiefdunkelbraunen Augen.            Wir haben noch 2 Stunden Flug vor uns und ich könnte noch einen Kaffee gebrauchen, drückte den Knopf rechts neben seinem Sitz um die Stewardess zu rufen. Auf dem Bildschirm über ihnen lief gerade der Film” Spanisch für Fortgeschrittene” bei dem er spontan an die Kritik denken musste, die er damals darüber im Internet gelesen hatte.

” Irgendwie fügt sich alles Zusammen. Und zum Schluss die Einsicht : Wir warten irgendwo auf etwas. Es wird uns finden, und wenn nicht finden wir es eben selbst. Tröstlich. Irgendwie.

Er lächelte seine Sitzpartnerin an und gewann ein Lächeln zurück, ehrlich und so gemeint wie es aussah. Nachdem die Stewardess den Kaffee gebrachte hatte, mit einem murren im Gesicht, als stünde gerade die nächste Notlandung auf dem Houtsonriver bevor, erklärte ihm die junge Frau aus der Türkei das sie gerade auf dem Weg nach Houston sei um dort ein neues Callcenter zu eröffnen. Sie würde den Job dort für ein kleines mittelständiges deutsches Unternehmen machen, das mit dem kleinen roten “D” als Logo, und lachte. Ja  bei dehnen sei er früher, was für ein Zufall, auch tätig gewesen, hätte aber alles an den Nagel gehängt und würde seit dem besser leben als er es sich jemals geträumt hätte. Er müsste sich aber im selben Moment eingestehen dass das mehr Wunschdenken als Realität wahr und er meilenweit davon entfernt war ein schönes Leben zu führen. Erinnerungen kamen wieder in ihm auf, als er noch in Köln für diese Firma tätig gewesen war,            3 Partys die Woche waren Minimum gewesen, und dann von jetzt auf gleich, aus und vorbei und er stand wieder vor dem nichts. Jammern nützt nichts hatte er sich gesagt und seine ganze Kraft in die Kunst gelegt. Bildhauern und malen, das war seine wirkliche Welt, da fühlte er sich wohl und darin ging er ganz auf. Alle Angebote eine Ausstellung von größerem Umfang zu organisieren hatte er abgelehnt mit dem Kommentar

”Kunst ist erst etwas Wert wenn der Künstler von allem geschaffenen Abstand genommen hat“.

Dieser Satz hatte so manchen Kritiker erst mal zu denken geben und ihm seine Ruhe. Unter ihnen waren mittlerweile wieder die ersten Lichter zu sehen. Seine Nachbarin beugte sich kurz zu ihm herüber und meint dies wäre der gleiche Ausblick wie sie ihn von Istanbul her kennt. Nur wären dort noch mehr kleine Lichter zu sehen, so groß könnte dieses “tolle” Amerika gar nicht sein. Wie recht sie behalten sollte. Fasten your seat belts, please!

Da stand er nun, mitten in diesem Land das sich einen neuen Präsidenten gewählt hatte, der voller Euphorie von einem Neuanfang der Nation sprach als hätten sie einen Krieg verloren. ” …und wo fange ich neu an…..” schwirrte durch seinen Kopf als er sich auf die Suche nach dem Kofferband machte. Er musste seinen Koffer erneut aufgeben da er keinen Direktflug bekommen hatte und umsteigen musste. Nach endlosen Suchen, stand er nun vor dem Band, darüber zwei Schilder” <– EAST — WEST –> “ na prima, wo liegt dieses Dorf El Paso den nun. Er kramte eine zerknitterte Landkarte der Staaten aus seiner Jackentasche und strich sie glatt. Aah, im Westen, sehr gut, endlich mal was, was nichts mit dem Osten zu tun hat, steckte die Karte hastig in seine Tasche, warf den Koffer auf das Band nach Westen und ging Richtung Raucherbereich. Dort angekommen, inhalierte er drei Zigaretten nacheinander, als wenn es seine letzten wären und machte sich auf sein Gate zu finden. Er hatte noch 10 Minuten Zeit. Da passiert das was immer passiert in solchen Momenten, er traf und sah die, die er sein Leben lang gesucht und doch nie gefunden hatte. Sie ging wie in Zeitlupe an ihm vorbei, warf ihm ein Lächeln zu, strich sich eine Strähne aus ihrem Gesicht und kramte anschließend aus ihrer tiefschwarzen Handtasche ein Handy hervor. In dem Moment vibrierte seine Jackentasche, sein Handy spielte diesen scheußlichen Klingelton der einem immer wieder in allen U-Bahnen, Bussen und Straßenbahnen den letzten Nerv raubt” la la la traja lalallaaala“. Vorbei war der Moment den er gerade noch so genossen hatte, er griff zu seinem Handy, drückte die Antworttaste, und im ersten Moment dachte er es wäre die Schönheit die ihm gerade zugelächelt hatte, doch da hörte er schon die allzu vertraute Stimme ” Hallo Liebelein, na wie geht’s, wo bist du, wir wollten doch noch ne Kleinigkeit essen gehen, hattest du mir doch versprochen, was ist denn nun, wann sehen wir uns? “ Wie kann man nur so viele Worte innerhalb einer Millisekunde von sich geben ohne Luft zu holen wollte er schon Antworten, da kam schon die nächste Fragerunde dieser sozialen Quizshow auf in zugeflogen, so dass er gar nicht Antworten konnte “… ach ich hab ja ganz vergessen das gleich der Max vorbeikommt und ich heute gar nicht kann, Sorry mach’s gut, bis Morgen dann…..” und schon war das Gespräch beendet. Hella, war so, ist so und wird immer so bleiben, Kohlenpott halt. Da macht man nichts dran meinte er zu sich wie er es immer macht, schaut auf seine Uhr, rekapitulierte was gerade in den letzten 7 Minuten passiert war, das ihm wie so oft in seinem Leben Himmel und Hölle in kurzer Zeit begegnet waren, und merkte ziemlich spät, wie sich herausstellen sollte, das man es in New York am Flughafen niemals in 3 Minuten bis zum Abfluggate schafft. Selbst wenn man direkt davor steht reicht diese Zeit nicht aus. Und so sah er wie seine Koffer Richtung El Paso davon schwebten. Er hätte die Hoffnung direkt aufgegeben sollen den Flieger noch zu erreichen.    “Supertag, wirklich toll gemacht” gratulierte er sich mal wieder für dieses grandiose Timing. Nach langer Suche fand er anschließend den Schalter seiner Airline um ein Ticket für den folgenden Flug zu buchen. Und da stand sie, hinter dem Schalter von Air Tilted, schwarze Augen, seine Größe und ein Lächeln das er nie wieder vergessen würde. ”Hi, how are you, what can I do for you…..” waren die ersten von vielen Worten die er von ihr hörte und er wollte von diesem Moment an auch nichts anderes mehr als ihr zuhören. Was Sie für mich tun kann schallte es durch seinen Kopf. Mich retten, mich hier rausholen aus diesem Elend, was mache ich hier überhaupt. Er setzte zu einem Satz an, aber im selben Moment stürzte die Angestellte aus ihrem Schalter und begrüße mit einem lauten ” Hallo, wie geht’s dir mein Schatz “ und das auch noch auf Deutsch, jemanden der sich gerade hinter ihm angestellt hatte. Langsam drehte er sich um und erkannte sofort die nette Türkin die neben ihm auf dem Flug hier her gesessen hatte. Da geht doch gar nicht, bin ich hier in einem schlechten Buch, oder wieso passiert mir heute eine Unmöglichkeit nach der anderen. Sie erkannte ihn sofort und grinste vor sich hin. ” Na, so schnell sieht man sich wieder, wollten sie nicht längst in ihrem Flieger nach El Paso sitzen?” An sich schon, meine Koffer sind auch schon auf dem Weg dorthin, aber ich wurde  aufgehalten, unter anderem von…. er machte eine Pause und drehte sich zu der Angestellten von Air Tilted um. Ja wer waren den nun die 2 überhaupt. Er brauchte nicht lange auf eine Antwort zu warten, den anscheinend konnte seine Sitznachbarin Gedanken lesen. ” Darf ich vorstellen, das ist Annina, meine Schwester, sie arbeitet seit 3 Jahren hier in den Staaten, hatte ich das nicht erwähnt? ” und wieder dieses Grinsen. Er reichte ihr seine Hand und hatte sofort das Gefühl sie nie wieder loslassen zu wollen. Tammo, Tammo Wolson mein Name stotterte er vor sich hin und hatte immer noch ihre Hand in seiner. Als ihm das klar wurde ließ er ruckartig los und wurde puder rot im Gesicht. Hinter ihnen wurde die Warteschlange immer länger und die ersten fingen schon an sich zu beschweren. Annina ging wieder hinter ihren Schalter und fragte was sie den nun für ihn tun könnte. Er erklärte ihr kurz dass seine Koffer schon unterwegs seien und er die Maschine verpasst hätte und nun einen Folgeflug buchen wollte. Hastig tippte sie auf der Tastatur herum und verzog immer wieder die Lippen. Nein, heute würde das nichts mehr, es gingen nur noch 2 Maschinen und diese wären restlos ausgebucht. Sie hätte da aber eine Idee, ab Morgen wäre ihre freie Woche und sie würde ihre Schwester nach Houston fahren. Sie würden ihren Wagen nehmen und wenn er kein Problem damit hätte und genügend Zeit, könnte er bis Houston mitfahren, sich das Land anschauen und noch ein wenig Spaß haben wenn er schon mal hier wäre. Von dort wäre es kein Problem nach El Paso zu kommen.  1 Stunde später saßen sie in einem Twenty Six Inch ‘63 Chevi Impala, einem Riesenkombi in dem noch die kompletten Familien der drei Platz gefunden hätten, plus Kühlschrank versteht sich.  Aus den Boxen dröhnte

„Nun, ich bin wieder da, Ja,

ich bin zurück, ich bin wieder da,

Ja, ich bin wieder gut zurück,

bin ich zurück, nun zurück,

bin zurück in schwarz

Ja ich bin wieder in schwarz „

von der Band seiner Jugend und es versprach einer seiner besten Tage seit langem zu werden.    Und da war es wieder, sein Lächeln wenn er zufrieden mit sich und der Welt war. Um 3:30 PM irgendwo auf dem Highway zwischen New York und nirgendwo schwebten sie in diesem unglaublichen Wagen dahin. Er hatte das Gefühl als wären sie schon 3 Tage geradeaus gefahren. Yeliz, die Schwester von Annina hatte vor einer halben Stunde vorgeschlagen an dem nächst besten Dinner zum Abendessen zu halten und dann ein Motel zu suchen, wo sie sich “frisch machen könnte” und dann die Nacht dort zu verbringen. Er grinste, frisch machen würde er sich auch gerne, am besten den ganzen Kopf abschrauben und einen neuen drauf, fertig mit dem frisch machen. Doch dazu sollte es so schnell nicht kommen. Keine drei Minuten später, kam nach dieser endlosen Geraden die erste Kurve. Wumm!!! Das ist wie im Traum, man sieht es auf sich zukommen, man will reagieren, aber es geschieht nichts. Und so schossen die drei erst mal Richtung Erdumlaufbahn und mit einem satten Aufsetzer schlugen sie 3 Sekunden später im Gelände auf. Stille, absolute Stille herrschte im Wagen als er seine Augen wieder öffnete. Sein erster Gedanke galt Annina, er berührte sie an der Schulter und ruckelte sanft an ihr. Langsam kam wieder Leben in sie und sie begann ihren Kopf zu drehen. Auch Yeliz stieß einen leisen Seufzer aus und schlug ihre Augen auf. “Ohh Mann, was war das den” fauchte sie im nächsten Moment ihre Schwester an. Sein einziger Kommentar dazu war, eine Kurve, Vorsicht eine Kurve. Er merkte recht schnell dass diese Warnung ein wenig spät kam. Die beiden Schwestern drehten sich zu ihm um, und lachten. Mit jeweils einer Schramme an der Stirn und die war bei allen dreien auch noch an derselben Stelle, entstiegen sie dem Wagen. Das erste was Yeliz tat, war dem Hinterreifen einen heftigen Tritt zu verpassen. Da Gummi nur in den selten Fällen nachgibt, gab es als nächstes einen lauten Fluch der bis Ankara zu hören war. Sie begutachten den Wagen von allen Seiten und kamen zu dem Schluss, alles klar die Fahrt geht weiter. Was keiner beachtet hatte, der Wagen war so tief gelegt das er so schon über keine Verkehrsberuhigungshügel kam. Also, erst recht nicht hier aus dem unebenen Gelände. Da Yeliz sich abreagieren musste, beschloss sie alleine nach einer Abschlepphilfe an der Straße zu suchen. Irgendwer muss ja hier her kommen, waren die Worte die man als letztes verstand als sie hinter der Kuppe verschwand. Nun standen sie da, Tammo der selbst nicht wusste, wo er gerade hin sollte und Annina, die etwas ausstrahlte was er immer noch nicht einordnen konnte. Er war es dann, der das Schweigen brach. Sag mal, fing er zögerlich an, Annina ist aber kein türkischer Vorname, oder? Nein sagte sie und wollte gerade zu einer Erklärung ausholen, da hörten sie eine Lautstarke Diskussion hinter dem Hügel beginnen. “…. Na toll ein Grieche, wieso muss mir so was immer passieren….” schallte es zu ihnen herüber. Annina grinste ihn an und machte sich auf den Weg ihre Schwester zu beruhigen. Er hatte ihr völlig verträumt hinterher gesehen, doch auf einmal viel es ihm wieder ein. Er hatte einen Auftrag zu erledigen, deswegen war er doch in dieses Land gekommen, er hätte sich sofort nach der Landung bei seinen Auftraggebern melden sollen. Das war ihm völlig durchgegangen. Er zog sein Handy aus der Tasche, prüfte den Ladebalken und den Empfangslevel. Mist, nur noch Strich auf der Ladeanzeige, das kann eng werden. Hastig tippe er die Nummer die man ihm damals gegeben hatte ein und drückte die Ruftaste. Ein grauenhaftes Soundlogo unterlegte den abgehen Anruf. Diesen Megaerfolgreichen Rock´nRoll Musiker den die meisten noch für lebendig hielten obwohl er schon die 25ste Wurmkur hinter sich hatte mochte er noch nie und dann auch noch dieses Lied.

“Verlassen, so verlassen von meinem Baby,

ich suche nach einem Platz zum Nachdenken,

am Ende der Gasse liegt er,

in einer rosa Bar,

du machst mich so einsam Baby,

so alleine und einsam,

ich gehe ein wie eine Blume”

Endlich nahm jemand das Gespräch entgegen “ja, verdammt was ist?” Ich sollte mich melden sobald ich in den Staaten bin antwortete er. “Ach sie sind’s, hatte sie fast vergessen. Wann sind sie am vereinbarten Treffpunkt in El Paso?” Das könnte eventuell noch dauern, er wäre mit dem Wagen unterwegs und sie hätten eine Panne gab er zurück. Ein fürchterliches Brüllen kam von der anderen Seite zurück. Ob er wahnsinnig wäre, was heißt hier „Wir“ , es war vereinbart das er alleine käme, was er sich einbilde, und so weiter. Während dessen hielt er sein Handy mit ausgestrecktem Arm Richtung Sonne. Erst als nichts mehr zu hören war nahm er es wieder an sein Ohr und lauschte “… sollten sie morgen dort sein, sonst komme ich persönlich und bringe es zu Ende. Haben sie das verstanden?” Er antwortete mit einem schweren Seufzer, ja kein Problem, alles läuft wie besprochen, am nächsten Flughafen würde er den erstbesten Flug nehmen und der Zeitplan kann damit eingehalten. Er hörte nur noch wie mit einem Fluch das Gespräch unterbrochen wurde und dann war die Leitung tot. Na toll, wie komm ich da nur wieder raus kreiste es in seinen Gedanken und er schritt langsam den Hügel hinauf. Folgendes Bild bot sich ihm. Yeliz lehnte mit verschränkten Armen an der hinteren Seite des Lieferwagens der gehalten hatte und schmollte, Annina sprach mit dem Fahrer der ihr dabei lustlos zuhörte. Als Tammo endlich bei den dreien angekommen war teilte man ihm mit das alles kein Problem wäre, zufällig hätte der Grieche, sein Name war Angelos, ein Abschleppseil mit und man könnte ihren Wagen wieder auf die Straße zurück ziehen. Was den mit Yeliz los wäre wollte Tammo von Annina wissen. „Ach“ sagte sie nur im vorbeigehen, das macht sie immer wenn sie nicht ihren Willen bekommt. Das konnte er nicht direkt verstehen, aber er hatte selber andere Probleme die es jetzt zu lösen galt. Er muss mit den beiden sprechen und sie bitten ihn zum nächst besten Flughafen zu bringen. Er fiel ihm schwer sich schon jetzt von den beiden zu trennen, ihm blieb aber keine andere Möglichkeit. „Noch nicht“ meldete sich sein Unterbewusstsein was ihn selber etwas irritierte. Während Yeliz schmollend am Wagen rum stand hatte Angelos nix besseres zu tun als ihr zum x-ten Mal seinen Spruch” alle Worte haben griechischen Ursprung” vorzutragen, was sie jedes Mal aus der Bluse springen lies. Nun reichte es ihr endgültig, sie schnappte sich das Abschleppseil von der Ladefläche und meinte im vorbeigehen zu ihm, das ihr selten so ein Typ über den Weg gelaufen wäre, konnte sich aber ein kleines Grinsen dabei nicht verkneifen. Nach dem sie schon 20 Meter in die falsche Richtung gelaufen war pfiff Angelos hinter ihr her und zeigte nur lachend in Richtung des Hügels von wo sie gekommen waren. Wutentbrannt stampfte sie an ihm abermals vorbei und warf Annina und Tammo das Seil vor die Füße und verschwand hinter dem Hügel. Beiden hatten die angefangene Unterhaltung von eben fortgesetzt, um nun endlich zu klären was es mit den unterschiedlichen Vornamen, Türkisch und …, wo kam ihr Name überhaupt her? “Wie ist das denn nun mit euch und den Vornamen” fragt er ohne sie aus seinen Augen zu lassen. Annina stieß einen tiefen Seufzer aus und begann zu erzählen. Das ist eine lange und endlose Geschichte begann sie, ich wurde damals in Ankara von meinen jetzigen Eltern adoptiert, das ist jetzt 32 Jahre her, ich war damals 4 als sie mich aus dem Heim holten. Seit dieser Zeit habe ich sehr viel gesehen von der Welt und einige Höhen und Tiefen erlebt. Damit könnte ich ganze Bände von Büchern füllen. Sie hatte dabei dieses unwiderstehliche Lächeln aufgelegt das in seinem innersten Gefühle wiederbelebte die er schon im Fundbüro als vermisst gemeldet hatte. Man hatte ihn dafür damals des Hauses verwiesen. Das ist aber eine ganz andere Geschichte. Sie fuhr fort mit Ihrer Geschichte, berichtete darüber welche Länder sie alle gesehen, bewohnt und bereist hatte. Sie wäre gefühlt in Kilometern” to the Moon and Back” geflogen wenn man alle Entfernungen addieren würde. Die Ursache wäre der Job ihres Vaters gewesen, er hatte eine hochrangige Stelle im Institut für Globale Schädlingsbekämpfung von Istanbul inne gehabt und so seien sie halt mehr als 14-mal umgezogen. Mit 19 hat sie dann ein Studium in altamerikanischer Geschichte begonnen und zurzeit jobbe sie halt bei der Airline am Schalter und den Rest kenne er ja. Während ihrer Ausführungen, die er persönlich nicht wirklich wahrgenommen hatte, so fasziniert war er von ihr, stiegen langsam wieder die düsteren Gedanken in ihm auf, jene die er nach seinem Abflug in Köln erfolgreich verdrängt hatte. Es war ein sehr mulmiges Gefühl und Zack da war es ganz oben. Es war ihm schlecht gegangen damals, hatte auf die wenigen Freunde die man mit 40 noch hat gezählt. Aber wie es so ist im Leben, in der Not zeigen alle ihr wahres Gesicht. Ob sie selber die Leidtragenden sind oder wer anders, dies spielt dabei keine Rolle. Nachdem er diese Erkenntnis für sich selbst realisiert hatte griff er als erstes zu seinem Multitasking Handy und löschte erst mal alle die Nummern, bei denen er in den letzten Jahren so viel Gebühren erzeugt hatte das sein Provider damit einen Börsengang finanziert hatte. Das war ein befreiendes Gefühl, schade das es diese Löschfunktion nicht auch für meinen eigenen Kopf gibt, das würde einiges vereinfachen. Sie hatten ihm die abenteuerlichsten Geschichten erzählt um ihn nicht zusehen. Damit war jetzt Schluss, er hatte sich ein neues Leben aufgebaut und war zufrieden damit. Sein Gefühl sagte ihm aber auch das irgendwas nicht stimme an der aktuellen Situation, es passte etwas nicht, irgendwie hat er sich zu weit von sich selbst entfernt und wurde merklich unzufriedener. Was sollte er hier in diesem Land, wieso dieser Auftrag, er hatte doch ganz andere Möglichkeiten an Geld zu kommen. Nicht ganz zu Ende gedacht, meldete sich sein Unterbewusstsein, die Kohle die du meinst kommt wer weiß wann aber nicht jetzt, wo du sie brauchst. “Sei einfach ruhig” sagte er vor sich hin, doch leider bekam Annina das mit und fühlte sich damit gemeint. Frauen mit diesem Charakter lassen sich das nicht zweimal sagen und verstummen sofort. Sie wieder zum Reden zu bringen sollte ihn vor eine Probe stellen, die mit nichts zuvor zu vergleichen war. Dass sie dieses Motel jemals erreichen würden hatte er schon nicht mehr geglaubt. Erst war das Seil gerissen als sie den Wagen auf die Straße ziehen wollten und Angelos war “kurz” ein neues holen gefahren, kurz bedeute hier keine 3 Stunden später, dann als der Wagen endlich wieder da stand wo er hingehörte, nämlich auf dem Teer, sprang er nicht an, ein kurzer Blick unter den Wagen zeigte das von den unendlichen Mengen Öl die in so einem Motor Platz finden, auch endlose Mengen ausfließen können, wenn man die Ölwanne über den Steinacker schleift als wolle man Diamanten in Form bringen. Für Angelos alles kein Problem, er hätte einen Cousin 4ten Grades mit einer Autowerkstatt, daneben wäre das Motel seiner Schwester, also alles keine Frage für ihn. So fuhren sie also, Tammo vorne im Lieferwagen bei Angelos und die beiden Schwestern hinten auf der rückwärtigen Ladefläche liegend dem ersehnten Motel entgegen. Kurz nach Mitternacht standen sie an der Rezeption des Motels und buchen sich dort ein. Sie hatten 2 Zimmer im Country Style bekommen, den alle Zimmer außer der Hochzeitssuite waren ausgebucht. Das, wolle sie sich doch für den „richtigen Moment und Mann „ aufsparen tönte Yeliz durch den Raum. Anninas Blick blieb wie versteinert und sie würdigte ihn keines Blickes. Er dachte für sich „ da hätte ich auch da bleiben können wo ich hergekommen bin“ und versuchte sie mit einem aufmunternden Blick zu besänftigen. Bei ihr kam das eher als der allseits bekannte „Hundeblick“ rüber den sie überhaupt nicht ausstehen konnte. Endlich in seinem Zimmer angekommen, das aussah wie die Mischung aus griechischer Mythologie und dem was übrig geblieben war, wenn eine bekannte Musikcafekette den Stil wechselt, lies er sich wie ein Stein auf das Bett fallen und schloss die Augen. Er ließ die vergangenen beiden Tage Revue passieren und stelle fest das es alles gar nicht so verkorkst war, er hier seinen einen Auftrag zu erledigen hatte von dem er nur wusste das sein ganzes Können als Künstler dabei gefragt ist, er 2 äußert reizende Frauen kennengelernt hatte und das Leben so viel mehr für ihn bereit hielt. Im selben Moment klopfte es an seiner Zimmertür, er stand auf und öffnete. Da stand sie wieder, einen eiskalten Blick auf ihn gerichtet und ihren linken Zeigefinger ihm grade auf die Brust drückend. Er konnte gerade noch tief Luft holen, da schob sie ihn vor sich her in die Mitte des Zimmers hinein, wobei hier erwähnt werden muss das dies nicht die Maxi-Ausgabe eines Zimmers war, und er schon nach 4 Schritten rückwärts wieder auf seinem Bett lag. „ So lasse ich nicht mit mir umgehend, du kannst mit mir nicht machen was du willst, ich lass nicht einfach SEI EINFACH RUHIG zu mir sagen wenn ich dir von meinem Leben erzähle, was bildest du dir ein“. Auf dem Rücken liegend hatte Tammo ihr zugehört und fing langsam leise an zu lachen. Dies blieb natürlich nicht unbemerkt und sie redete sich weiter in Rage, er könne froh sein das sie ihn mitgenommen hätte, wie undankbar er wäre und wieso er jetzt auch noch die Frechheit besäße das Lachen anzufangen. Während sie mit rotem Kopf sich schon heiser geredet hatte, war Tammo aufgestanden und sie blickten sich jetzt Nase an Nase in die Augen. Eine Strähne ihres schwarzen Haares fiel über das rechte Auge. Sie versuchte mehrmals diese mit Pusten wieder in die richtige Position ihrer Frisur zu bringen, was ihr aber nie gelang. Behutsam nahm Tammo die Strähne, stecke dies hinter ihr kleines Ohr und küsste sie. Einfach so, er hatte das gar nicht gewollt, aber da war es schon geschehen. Und das dauerte, die beiden befreiten sich erst wieder von einander als die Sonne durch das hintere Fenster zu sehen war. Sie stand vom Bett auf, drückte ihm einen Kuss auf die Stirn, sammelte ihr Kleid ein, lachte ihn an und ging aus dem Zimmer. Kein Wort, nichts, nur ein Lächeln von ihr, und das hatte von nun an sein Leben verändert. Manche Tage gehen von schwarz in grau über hatte mal sein letzter verbliebener Freund Dieter gesagt. Wie recht er hat, und wenn ich Glück habe werden sie sogar weiß. Mit einem guten Gefühl stieg er unter die Dusche und merkte dass er gar kein Shampoo mehr hatte. Nass war er jetzt sowieso, da konnte er auch das komische Zeug nehmen was unten in der Ecke der Dusche stand und wohl jemand vergessen hatte. Er drehte den Verschluss auf, roch daran, hielt die Flasche über sich, und es kam trockenes Pulver dort heraus, wo sonst nach seinem Befinden hätte Shampoo kommen sollen. Diesmal ertönte ein so lauter Fluch dass auf Kreta die Gyrosspieße für drei Sekunden stehen blieben. „Ich bleib bei schwarz, ja das sind meine Tage, schwarz“ fluchte er noch vor sich hin als er zum Frühstücksraum ging um wenigstens noch einen Kaffee zu ergattern. Einen schwarzen versteht sich.

Zeitsprung in Tage zuvor: “es ist nicht meine Zeit, ich höre nicht dir, es könnte mein Ende sein, das ist alles was ich weiß, …ich werde gehen, du wirst sehen.” Hatte er sich gerade den Text übersetzt, der Text einer Band deren Name er nicht wusste, die aber ganz nach seinem Geschmack die Gitarren bedienten und seine Ohren betäubten. So betäubt und guter Dinge gleich bei seinem Lieblingsspanier am Gürzenich einen Tisch zu bekommen, sehr gute Tappas zu verschlingen wie Patatas Bravas, Tunfisch mit Mojososse und dazu einen leckeren Rioja-Wein zu genießen, ging er über die Domplatte. Plötzlich tauchten diese beiden Typen auf Höhe des Römisch Germanischen Museum vor ihm auf. Einer der beiden stellte sich direkt vor ihn, der andere fasst ihn von der Seite an die Schulter. ” Sie sind doch Tammo Wolson, ich habe sie direkt erkannt als ich sie von weiten sah” sagte der Kerl links neben ihm. Der vor ihm grinste nur komisch vor sich hin. Wo kommen diese Honks den her fragte er sich, und versuchte ihnen aus dem Weg zu gehen. Das funktioniert nicht so recht da die Hand des einen noch auf seiner Schulter lag. “Sagen sie mal, sie haben doch das ein oder andere Problem und suchen Hilfe” plauderte der Typ weiter auf ihn ein. Was geht sie das an und woher wissen sie das konterte er. Tja, der ein oder andere seiner sogenannten Bekannten hatte wohl mal wieder zu viel erzählt auf einer der zahllosen letzten Partys. Aber was wollten die nun hier von ihm. ” Wir hätten da einen Auftrag für sie, dauert nicht lange, genau das richtige für sie, sie bekommen einen Vorschuss von 3000 Dollar und wenn alles gut geht sehen wir uns nie wieder” Sein erster Gedanke war, „Nie im Leben“, sein zweiter eine Millisekunde später, warum nicht die Kohle kannst du brauchen. Skeptisch musterte er die beiden. “Was soll ich tun dafür und was kommt am Ende dabei für mich raus?” Sie erscheinen am kommenden Freitag in El Paso dort ist in der Nähe der Grenzstation ein Hutladen. Seien sie um 20 Uhr dort. Alles weitere später vor Ort. Hier ist ihr Ticket” ehe er sich versah hatte er ein Flugticket in die Staaten in der Hand und die Typen waren in der Menge verschwunden. Hinten auf dem Ticket stand unter einer Handynummer mit der Schrift eines dreijährigen “anrufen bei Ankunft” Etwas benebelt ging er weiter und musste sich nach 3 Schritten erst mal auf die Treppenstufen vor sich setzen. Niemand fängt einen auf wenn man fällt, übersetzte sich das nächste Lied was über seinen MP3-Player dröhnte. Wie recht die Band hatte. Er fühlte sich wie im freien Flug. Er hatte mal jemanden so vor den Kopf gestoßen das diejenige ihm ihre Gefühle so beschrieb: „ich bin gerade abgesprungen, mein Fallschirm öffnet sich nicht, ich bitte dich mir zu helfen und du sagst, du wärst auf einer Party und könntest jetzt gerade nicht”. Besser konnte er seine jetzige Lage auch nicht beschreiben. Beim Spanier angekommen und eine herzliche Umarmung mit der Chefin des Ladens weiter, bestellte er das übliche. Einen Espresso und einen 103 dazu. Das brauchte er jetzt. Als die Kellnerin ihm die Getränke serviert grinste er so vor sich hin. Warum sollte er den Job nicht annehmen? Was sprach dagegen eine Zeit lang in die Staaten zu reisen? 5 Gläser Rotwein später unterhielt er sich angeregt mit Tania, der Chefin. Sie erzählte von ihren weiteren Plänen in ihrem Leben, das sie das hier auch nicht ewig machen wollte. Wenn genügend Geld in der “Kasse” wäre wolle sie sich auf Gomera zur Ruhe setzen, das wäre doch mal ein Ziel, sich mit 35 den ganzen Tag die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen. Tammo erwiderte das er ähnliche Pläne hatte. Sein ehemaliges Fernziel mit 40 so viel Geld zu haben das er nicht mehr arbeiten müsste sei nun ein kurzfristiges geworden, 3 Ziehungen im staatlichen Lotto ständen noch aus und er lachte. Eins hatte ihn bisher nie verlassen und das war immer seine letzte Hoffnung gewesen. Er bekam immer was er wollte, zwar schon mal mit etwas Verzögerung aber er bekam es, das war schon seit seiner Kindheit so gewesen. Es gab Menschen in seiner Umgebung die wurden schier wahnsinnig wenn sie das mit bekamen. Um 21:34 Uhr wusste er nur eins, noch 2 Ziehungen und alles wird gut. Dann hatte er wieder die Zeilen im Kopf die er in einem Gedichtband gelesen hatte:

So, du denkst

Du denkst ich werde verstehen

War mein Weg auch dein Ziel

In der unendlichen Zeit

Ist der Abstand die Nähe

Und für immer mein leid

Ich denk

Ich denk wir werden es sehen

Wieder im Jetzt und Hier. Als er den Gang zum Frühstücksraum entlang ging sah er die 3 schon am Tisch sitzen und sich angeregt unterhalten. Irgendwie kam ihm die Situation komisch vor, etwas daran wie sie sich unterhielten hatte etwas Geheimnisvolles. Er betrat den Raum und die Unterhaltung verstummte und es herrschte für einen Moment lang Ruhe. Annina ergriff als erstes das Wort und

wünschte ihm einen wunderschönen guten Morgen. Ob er den gut geschlafen hätte fragte sie ihn.

Sie konnte kaum ein Auge zu machen. Das glaube ich gerne, dachte er für sich, ich erst recht nicht, erst habe ich das Gefühl ich fliege bis zum Mond mit einer atemberaubenden Frau in den Armen  und dann lässt sie mich da oben alleine stehen und nimmt die nächst beste Rakete die vorbei fliegt alleine zurück. “Ich hab geschlafen wie ein Stein in tiefer See” gab er zurück und lächelte sie an. Wo gibt es den Kaffee und den Rest der zu einem amerikanischen Frühstück gehört wollte er wissen. Angelos meinte nur er solle sich setzen, seine Schwester käme gleich aus der Küche und würde alles bringen. Nach dem Frühstück, was nur aus 5 Stunden lang auf 200Grad erhitzen Kaffee, fetten Waffeln die aussahen wie leckere belgische aber schmeckten wie Pappe aus der Recyclinganlage und einer bunten Mischung von überzuckerten Müslidrops bestand, hatte er fürs erste genug und ging auf sein Zimmer zurück. Er überlegte gerade was heute Morgen schlimmer gewesen war, mit Puder zu duschen oder dieses Frühstück, als es erneut an seiner Tür klopfte. Er öffnete und da stand sie wieder vor ihm. Diesmal war er es der sie nicht zu Wort kommen ließ, zogt sie mit einem innigen Kuss hinter sich her ins Zimmer und es war als würde die Welt in eine andere Umlaufbahn katapultiert. Kurz bevor die beiden die Venus umrundeten hätte er Schwarz von Weiß nicht mehr unterscheiden können. Das war alles eher rot, grün und gelb gepunktet und drehte sich von oben nach unten in Richtungen die er sich noch nicht mal vorstellen konnte. Als beide zurück auf der Erde angekommen waren und sie sich langsam zu ihm herunter beugte um Tammo einen Kuss auf die Stirn zu geben, hauchte er nur etwas von “sind wir schon da…Lass uns weiter fliegen…” Und schloss wieder seine Augen. Als er erwachte war das Zimmer leer, es hing nur noch ihr Duft im Raum den er mit tiefen Zügen wahrnahm. Auf dem Tisch lag ein Zettel von ihr, und daneben ein paar Notizen die er während der Fahrt gemacht hatte und einem aufgeschlagenen Buch in dem folgende Zeilen noch zu sehen waren:

Die Gewissheit,

In der Sonne verbrannt,

Ist der Gedanke,

Der uns mal verbannt,

Es bleibt nun die Ruhe,

Die keiner Verstand,

Es bleiben Gedanken,

Begraben im Sand

Anninas Nachricht konnte Tammo entnehmen das sie sich um 12:30 AM auf dem Hof zur Weiterfahrt treffen wollten. Er schaute auf seine gelbe Armbanduhr die nichts anderes konnte als die Uhrzeit anzeigen und das auch nur so gerade eben. 10 Minuten blieben ihm noch sich „frisch zu machen” und alles in seine Tasche zu stopfen was er in den letzten Stunden dort raus gerupft hatte. In Ermangelung seiner beiden Koffer, die jetzt schon in El Paso drei Mal durch den Zoll waren und wahrscheinlich vom vielen Röntgen so verstrahlt waren als wären sie in der Nähe eines Kernkraftwerks gepackt worden, hatte er sich kurz vor der Abfahrt noch das nötigste am Flughafenshop neu gekauft. 5 Paar Socken, ein Sixpack Unterhosen in den wildesten Farben, eine Jeans bei der er besser auf die Länge geachtet hätte, sie passt hervorragend, da sie aber leider viel zu lang war ist jeder Boden wie neu gewienert, wo her er auch ging. Er hasste es Hosen umzuschlagen, daher blieb es wie es war. Und was natürlich nicht fehlen durfte, ist eine Kollektion an schwarzen T-Shirts. Alle nach seinem Geschmack, mit einem dezenten Aufdruck vorne in der Mitte des Shirts. Dort stand mit weißem Flockdruck „ WEGPOP”, eine Marke die er schon in Deutschland zu dutzenden verbraucht hatte. Und natürlich ein Handtuch, ohne eigenes Handtuch würde er niemals verreisen, also musste dies auch neu angeschafft werden. Schlicht und natürlich auch in schwarz gehalten. Als alles verstaut war, blickte er sich im Türrahmen noch einmal um, richtet seinen Blick auf das verwühlte Bett, ging die Strecke die beide im „Weltall” zurückgelegt hatten noch mal in Gedanken durch. Eine leichte Gänsehaut schüttelte ihn dabei als er sie völlig real sehen konnte, wie sie all die Dinge erlebten die er schon sehr lange nicht mehr erlebt hatte. Da er jede einzelne fehlende Wurzel seiner Haare spürte wie bei Phantomschmerzen, weil sie sich an ihm festhalten musste bei jedem Schub der Triebwerke, musste Tammo über sich selber lachen. Hoffentlich waren es nur die grauen Haare die sie mitgenommen hat, sonst bleibt mal wieder nur eins nach langer Zeit. Färben, in seiner Farbe, in Schwarz. Sie waren kurz nachdem sie sich von Angelos und seiner Schwester verabschiedet hatten mit dem frisch reparierten Chevy vom Motelparkplatz gefahren. Tammo hatte es sich hinten auf der Rückbank gemütlich gemacht und lass in seinem Gedichtband den er zum Glück nicht in den Koffer gepackt hatte. Ihm gingen sehr schwere Gedanken durch den Kopf. Die Texte die dort niedergeschrieben standen trugen nicht gerade zu seiner Ermunterung bei.

Als er auf der Seite mit den Textzeilen :

Du denkst

So, so du denkst ich bin hier

Im Himmel der Hölle

Wer erklärt mir den Schmerz

Den ich selber nie kannte

Dein Lächeln im Schleier

Das ich nicht erkannte

So, du denkst

Du denkst ich werde verstehen

Warum bist du nicht hier

Auf meinem blauen Feld

Um mich anzusehen

Und zu erklären warum

So, du denkst

Du denkst ich werde verstehen

War mein Weg auch dein Ziel

In der unendlichen Zeit

Ist der Abstand die Nähe

Und für immer mein leid

Ich denke

Ich denke wir werden es sehen

angekommen war hatte er den Gedanken von vorhin im Kopf. Sie, die vorne im Wagen saß und das Steuer in der Hand hielt als würden sie gegen einen schweren Sturm ansteuern, hatte wohl mehr von ihm mitgenommen als nur seine grauen Haare. Irgendetwas fehlte ihm seit der letzten intensiven Begegnung mit ihr. Er kam nur nicht drauf, hatte aber jetzt auch das Bedürfnis den beiden Schwestern mitzuteilen das er zum nächst gelegenen Flughafen muss um Morgen in El Paso zu sein. Warum und weshalb ginge die beiden nichts an, das sollten sie so akzeptieren müssen, so schwer es ihm auch fallen würde. Er beugte sich zwischen den beiden Vordersitzen nach vorne und fing langsam an zu stottern beginnend mit dem Satz „ ähhh, ich … ähmm hab da ein kleines Problem. Ich … muss Morgen früh in El Paso sein, bekommen wir das irgendwie hin?“ Yeliz reagierte als erstes, dreht sich zu ihm um, sah mit einem Blick der absolute Kälte ausstrahlte in seine Augen und erwiderte nur „ Was soll das denn?“ Er lag quasi quer auf der Rückbank des Chevy so hatte ihn diese Antwort getroffen. Im vorbeirauschen sah er hier und dort Schnellrestaurants die sich aneinander reihten und man fragte sich wo denn hier überhaupt die Menschen lebten die sich dort vollstopften mit Burgern und sonstigen Pappdelikatessen. Das zweite war ein lautes “Was!!!?” von Annina. Und als Drittes die Vollbremsung des Wagens, die in noch weiter zwischen die Vordersitze drückte. Blöderweise steckte er nun mit seiner Schulter so zwischen den Sitzen dass er sich nicht mehr von alleine aus dieser Position befreien konnte. Yeliz hatte den Wagen schon kurz nach dem Halt des Wagens verlassen, so das Tammo nun alleine mit Annina darin war. ” So stellst du dir das also vor, ne schnelle Nummer mit mir und dann nix wie weg in den nächsten Flieger” Sie hatte gedacht das er anders wäre und das sie mehr erleben könnten zusammen als diese eine Nacht. Aber anscheinend hätte sie sich wie immer getäuscht in den Männern die ihr über den Weg laufen.” Nein. Du verstehst das völlig falsch, es geht hier nicht um dich, ich würde nichts lieber machen als mit dir durch die Prärie zu fahren. Egal wir lange… ” Er hätte eben einen Job angenommen und dazu müsste er Morgen in El Paso erscheinen. Sollte dies nicht geschehen, hätte er mit folgen zu rechnen, die er nicht abschätzen könnte. OK, sagte sie in einem Tonfall der ihm gar nicht gefiel, erklär mir was du dort zu tun hast und wir sehen weiter. Da gibt’s nicht viel zu erzählen gab er zurück, ich weiß selber nur das dürftigste, man hat ihm einen Job angeboten bei dem er als Künstler gefragt Sie, es sei für ihn ein sehr lukratives Angebot, gerade in seiner misslichen Finanzsituation, so dass er nur zusagen konnte. Sie runzelte die Stirn, sagte einen Wimpernschlag lang nichts, und murmelte etwas vor sich hin, völlig von ihm abgewandt. Schlagartig drehte sie sich um und meinte “wenn das so ist dann hätte ich zufällig die Lösung für dich” Ganz in der Nähe von hier hätte ein guter Freund eine Maschine auf einem Sportflughafen stehen. Sie könnten in einer halben Stunde dort sein und Fragen ob irgendetwas machbar wäre. Es kam ihm zwar sehr merkwürdig vor, aber seine letzten Tage und Wochen bestanden nur aus Zufällen so dass sich das Angebot dort mühelos einreihen konnte. Annina stieg aus dem Wagen, kam nach hinten und kniete sich auf die Rückbank, und zog Tammo, der die ganze Zeit in dieser tollen Position zwischen den Vordersitzen im Wagen verbrachte hatte, mit einem Ruck nach hinten. So lag er nun, sein Kopf in ihrem Schoss und die Augen auf sie gerichtet da. Ein unendlichen Augenblick lang, als würde die Zeit stehen bleiben schauten sie sich nur an. Sie küsste ihn auf die Stirn, legte seinen Kopf liebevoll beiseite auf den Sitz und stieg wieder aus. Etwas verstört von dieser Aktion beobachtet Tammo wie Annina und Yeliz sich draußen kurz und intensiv miteinander unterhielten. Dann gingen beide auf den Wagen zu, Yeliz rechts, Annina links rum. Die Szene hatte was aus einem Western, so wie der Staub aufwirbelte als die Schwestern auf das Auto zugingen. Es fehlte nur das sie ihre Revolver zogen und auf ihn zielten. Was Tammo entging, hätte er sich etwas genauer mit Anninas Hüftbereich beschäftig eben im Wagen und hätte er besser sehen können ohne seine Brille, war das etwas Metallenes in der Sonne kurz aufblinkte, genau in Höhe von Anninas Hosenbund. Sie starteten den Wagen um mit einer Staubwolke wieder auf den Highway zu gelangen. Innerhalb einer Stunde war alles geklärt und er befand sich mehrere Kilometer in der Luft und flog El Paso entgegen. Als sie am späten Nachmittag auf einem privaten Sportflugplatz am Rand von El Paso landeten hatte er ein ziemliches mulmiges Gefühl im Magen. Ihm blieben keine 3 Stunden mehr um am verabredeten Treffpunkt zu erscheinen und er hatte keinerlei Ahnung was dort auf ihn wartet. Während er dort nach dem Aussteigen gedankenverloren vor der Maschine gestanden hatte war einige Zeit vergangen. Dies hatte Yeliz ausgenutzt und einen schwarzen Wagen, ihm unbekannter Marke, organisiert. Es war eine Mischung aus Sportwagen und edler Limousine recht tief und mit einem Sound der die Haare auf den Unterarmen zum erfrieren bringt. Sie hielt direkt neben ihm, sprang grinsend aus dem Wagen, sagte nur, los rein ihr beiden und war schon an der hinteren Heckklappe um diese zu öffnen und das spärliche Gepäck der 3 dort zu verstauen. 5 Minuten später drückte es ihn, ganz anders als heute Morgen im Chevy, bei jeder Beschleunigung entgegengesetzt in die Rückbank. Ein Zeitproblem hatte er nun beim besten Willen nicht mehr. Laut dem eingebauten Navi würden sie ihr Ziel um 19 Uhr erreichen. Wie immer bisher, hatte er es sich hinten bequem gemacht und aus alter Gewohnheit durchsuchte er die Sitzritzen nach Gegenständen. Das hatte er als Kind schon immer aufregend gefunden, die Spannung etwas zu finden was jemand verloren hatte. Er hatte alles gefunden, über Feuerzeuge, Haarklammern, unbenutzte Kondompackungen bis hin zu jede Menge Kleingeld und Scheinen in jeder Größe. Das hatte ihn als Kind schon immer angespornt und so grub er sich nun durch diese Rückbank. Und da, plötzlich links neben ihm ertastete er etwas metallenes, ca. 2cm dickes. Er konnte die Gravur fühlen die sich über den ganzen Gegenstand zog. Langsam, ohne dass die beiden vorne es bemerken zog er den Gegenstand aus dem Ritz hervor. Als er ihn dann, mit der einen Hand schützend, betrachtete staunte er nicht schlecht. Er hielt die Marke eines FBI Agenten in der Hand, so schwer wie sie war und sich anfühlte konnte diese nur echt sein. Unter dem Metall war ein Lederetui angebracht was er nun langsam aufklappte. Diesmal traf ihn wirklich der Schlag, er Blicke auf ein Bild was ihm sehr vertraut war und ihn seit Tagen verfolgte. Annina, Annina Gelderson stand dort in fetten Buchstaben. Ohh man, dachte er, was ist das den jetzt für ein Streifen. Er spürte wie langsam Schweiß auf seine Stirn trat und es ihm heiß wurde. Nur die Ruhe bewahren sagte er zu sich. “Überlege was das bedeutet” sprach seine innere Stimme, auf jeden Fall nichts Gutes, das war sicher. Eins wusste er sofort, dieses Auto hier war jetzt genau der Ort wo er sein nicht wollte. Er blickte nach vorne und sah in einiger Entfernung eine Tankstelle kommen. Schnell beugte er sich nach vorne und sagte” Mädels, haltet mal kurz da vorne, ich brauch Zigaretten und ne Toilette wäre auch nicht schlecht“. Es kam nur ein müdes Schulterzucken und Yeliz steuerte den Wagen auf die Tankstelle zu und hielt direkt vor dem Eingang. Er stieg aus und ging zielstrebig Richtung Kasse. Auf dem Weg dorthin hatte er den riesen Innenraum schon sondiert und sich einen Plan zu Recht gelegt, wie er hier verschwinden würde. Grinsend ging er auf den Kassierer zu und kaufte seine Lieblingszigarrettenmarke aus Frankreich und ein Feuerzeug, fragte nach den Restrooms und erhielt einen Schlüssel für die Tür dazu. Kurze Zeit später qualmte nicht nur die Toilette sondern der ganze Verkaufsbereich und es war nur eine Frage der Zeit bis hier die Feuerwehr eintreffen würde. Während dessen sah man an der Hinterseite jemanden mit schnellen Schritten in das naheliege Wohnviertel verschwinden. Tammo hatte die Tankstelle recht zügig hinter sich gelassen und war so schnell wie schon lange nicht mehr gelaufen. Seine vor drei Monaten begonnene Diät und die 13 Kilo die er verloren hatte machten sich nun bemerkbar. Als er bei den ersten Wohnblocks angekommen war blickte er zurück, und sah wie die Flammen aus dem hinteren Teil des Gebäudes schlugen. Genau aus dem Fenster, aus dem er vor wenigen Minuten geflüchtet war. Die Sirenen der herannahenden Feuerwehr waren auch schon zu hören. OK sagte er sich, nicht schön was ich gerade gemacht habe aber die Jungs mit den roten Wagen werden es schon richten. Während Tammo so da stand und überlegte was er als nächstes machen konnte standen Yeliz und Annina in einem sicheren Abstand zur brennenden Tankstelle am Wagen gelehnt und blickten ungläubig drein. Annina ergriff als erstes mit dem Satz” glaubst du das er es geschafft hat dort rauszukommen? ” das Wort. Yeliz drehte sich zu ihr um und verdrehte wie sie es immer machte ihre dunklen Augen. ” Glaubst wirklich das Feuer sei rein zufällig ausgebrochen? So naiv kannst du doch nicht sein. Das hat er gelegt, ganz klar. Ich frage mich nur warum? Hatte er irgendetwas von uns mitbekommen? ” Annina blickte immer noch wie versteinert auf die aufsteigenden Rauchsäulen.” Meinst du wirklich dass er das war? Das traue ich Tammo einfach nicht zu.” Tief in ihrem inneren wusste sie natürlich auch dass er das Feuer gelegt hatte und geflüchtet war. “Ohh Mann, wie Blind bist du” fauchte Yeliz sie an” der Typ ist echt mies drauf, wir haben ihn wirklich unterschätzt. Ich glaube nicht dass er noch am Treffpunkt auftaucht und wir können die ganze Nummer absagen. Sag den beiden Blindgängern sie können sich aus dem Staub machen und zurück nach Deutschland fliegen. Du hast doch noch die Handynummer von dem einen, oder?” Annina zückte ihr Handy aus der Seitentasche der Jacke und bemerkte dabei das irgendetwas fehlte. Hektisch begann sie die Jacke abzutasten. Ein Sicherheitsbeamter beim Zoll hätte einen Riesen Spaß gehabt.  ” Na super, meine Marke ist weg” fluchte sie lauthals und warf Yeliz das Handy zu während sie im umdrehen noch zu ihr sagte, ruf du an, ich muss mal in mich rein brüllen. Das alles bekam Tammo natürlich nicht mit als er sich auf den Weg durch das Wohnviertel gemacht hatte. Drei Blocks weiter kam er an eine Kreuzung deren Beschilderung zufolge er an einem kritischen Punkt war. Eine Endscheidung musste her, links ging es zum Airport, rechts nach Down Town zum Treffpunkt. Wie immer in seinem Leben wählte er links, lachte laut, schrie noch ” Zum Teufel mit der Kohle” und marschierte Richtung Airport. Es gibt immer einen besseren Weg, man muss ihn nur gehen wollen. Das hatte mal eine gute Freundin vom ihm gesagt und Tammo nahegelegt das wirklich mal zu beherzigen. Wie sich rausstellen sollte hatte er auch diesmal richtig entschieden, den keine 3 Minuten

später bogen Annina und Yeliz genau in die entgegen gesetzter Straße Richtung Down Town ein.

Man konnte den beiden von weiten ansehen das sie nicht gerade bester Laune waren und der schwarze Wagen bekam das zu spüren. Man hörte wie runter geschaltet wurde und die Reifen beim beschleunigen durchdrehten. Als Tammo schon eine Weile gegangen war kramte er in seinen Hosentaschen und fand wonach er suchte. Die schwarze Kreditkarte und eine Menge Dollarscheine kamen zum Vorschein. Seine Reisetasche hatte er zwar im Wagen der beiden Frauen zurück lassen müssen, aber aus alter Gewohnheit hatte er, weil man ja nie weiß was so passiert, seine Umhängetasche umgeschnallt und sein Geld immer lose in der Hose.   Er zählte kurz die Dollarscheine und kam auf den beachtlichen Betrag von 132 Dollar, das würde locker für ein Taxi reichen und den Rückflug konnte er ohne weiteres mit seiner Kreditkarte bezahlen. Heute schien sein Glückstag zu sein, denn gerade als er hochblickte kam ihm ein Taxi entgegen. Er winkte kurz, der Wagen hielt direkt neben ihm und er sprang sofort hinten auf die Rückbank. “To the Airport, plaese” stammelte Tammo in seinem gebrochenen Englisch. Der Fahrer nickte, drehte seine Indische Volksmusik wieder auf eine unerträgliche Lautstärke und fuhr in aller Seelenruhe Richtung Airport. Im Wagen roch es nach Moschus und altem abgestandenen Pizzabelag. In Ermangelung an fester Nahrung wurde ihm bei diesem Geruch erst mal Übel, die Fenster runter drehen ging auch nicht da keine Schalter oder Kurbeln vorhanden waren. Ohh man, was ne Karre murmelte er vor sich hin und wagte es nicht sich zurück zu lehnen in Angst sich außerirdische Bakterien, Duftstoffe oder Seuchen in die Kleidung zu reiben. Als er nach vorne durch die Windschutzscheibe sah entnahm er dem Straßenschild das es noch 2.Meilen bis zum Flughafen waren. Als noch knapp 10 Minuten aushalten dann war es geschafft und er war einen großen Schritt weiter. Am Flughafen endlich angekommen fand er nach längerem Suchen auch den Ticketschalter seiner deutschen Lieblingsfluglinie. Das Logo der Airline, es stellt eine startenden Ente dar und hat die Farben Schwarz-Gelb, hatte ihn immer schon zum Lachen gebracht. Eigentlich sah es aus wie ein Hühnchen am Spieß, die Grafiker hatten hier großen Humor an den Tag gelegt und eine talentierte Verkaufsabteilung ihr bestes gegeben. Vor ihm am Schalter lächelte ihn eine hübsche Blondine an und fragte wie sie weiterhelfen könnte. Tammo erkundigte sich nach dem nächsten Flug der nach Deutschland gehen würde und am liebsten wäre ihm ein Direktflug nach Köln-Bonn. Schnelle kleine Finger huschten über die Tastatur und 3 Minuten später konnte er sich einen Flug nach Antalya, Bristowgrad oder Barcelona aussuchen. Das waren die nächsten Flüge die im Angebot waren. Heute ist Vollmond, das Blatt wendet sich, hatte in seinem Horoskop für heute gestanden. Spontan entschied er sich für Barcelona, dort war er schon lange nicht mehr gewesen und dort würde man ihn auch nicht so schnell finden. Er war ohne weitere Komplikationen durch die Passkontrolle gekommen, hatte noch das ein oder andere im Duty Free Shop eingekauft und hatte nun auf seinem Platz auf dem Weg nach Spanien eingenommen. Der Atlantik glitzerte unter ihm und nach Auskunft des Piloten dauert es noch ein paar Stunden bis sie am Ziel wären. Ein kurzes Nickerchen würde nicht schaden dachte er sich und schlief quasi im selben Moment schon ein. Eine wunderschöne grüne Landschaft und eine Silhouette des Meeres wechselten sich ab, so als würde man zwischen 2 Filmen hin und her zappen. Dann plötzlich, alles dunkel, Rauchschwaden kriechen über den Boden, es fühlt sich trotzdem kalt und totenstill an. Jemand geht gerade aus dem Bild, eine Frau in einem roten Kleid. Die Arme wie nach einer vollbrachten Tat nach unten hängend. Wieder gleißendes Licht, eine Brandung ist zu hören, Lachmöwengeschrei fliegt durch die Luft. Der Strand kommt wie von allein auf einen zu, in Zeitlupe baut sich wieder die Frau im roten Kleid im Bild auf. Diesmal steht sie winkend im Wasser und ruft etwas. Dann ruckelt das Bild, man sieht nichts mehr, aber es ruckelt weiter. Tammo öffnet seine Augen und merkt wie eine Hand sachte an seiner Schulter rüttelt und ein dezent geschminkter roter Mund mit ihm leise spricht. ” …. geträumt. Sie haben nur geträumt, wachen sie auf. Wir landen gleich in Barcelona” ohh Entschuldigung stammelte er, schob sich im Sitz hoch und streckte sich. Er schaute der netten Luftfahrtbegleiterin hinterher und schnallte sich an. Keine 3 Sekunden nach dem die Maschine spanischen Boden berührt hatte ertönten rund um ihn herum die Anmeldemelodien aller möglichen Handymarken. Daraus könnte man auch mal einen Song machen, gar keine so schlechte Idee dachte er und Tammo kam der Gedanke das er schon ewig sein eigenes Handy nicht mehr an hatte. In den tiefen seiner Tasche kramte er ein arg lädiertes aber noch voll funktionstüchtiges Handy hervor, drückte den Startknopf und wartete bis das Gerät hochgefahren war. Der Nachrichteneingang zählte langsam nach oben. Ganze 24 verpasste Nachrichten zeigte das Handy an. Es kam ihm vor als hätte jemand ein ganzes Buch abgetippt und geschickt. Über die Hälfte waren Werbe-MMS seines Providers, 3 SMS kamen von Annina. Die erste mit dem Text “wo bist du, lebst du? Melde dich bitte bei mir. Glg A.” Diese hatte sie wohl kurz nach dem Feuer in der Tankstelle geschrieben. Die nächste lautete nur noch” verdammt, melde dich endlich!!! ” Und die letzte, hatte den Inhalt” ich finde dich, wo auch immer du dich verstecken wirst auf dieser Welt, ich denke ständig an dich” Was sollte er jetzt davon halten, etwas verstört blickte er nach oben und musste das irgendwo einordnen. War das ein Trick oder meinte sie das wirklich ernst? Mit dieser Frage würde er sich später beschäftigen, dies musste warten. Er brauchte dringend ein Zimmer und eine Dusche. Aber das sollte noch das kleinere seiner Probleme sein, wie sich später herausstellen sollte. Als er den Flughafen durch die endlos erscheinenden Gänge endlich verlassen hatte nahm er sich das erst beste Taxi und sagte dem Fahrer, der zu seinem Glück etwas englisch verstand, das er auf die Rambla wolle, zum Hotel Europa, er hoffte das es das Hotel noch gab, er war vor 11 Jahren das letzte Mal dort gewesen, und zweitens das dort auch noch ein Zimmer für ihn frei war. Nach 45 Minuten stand er vor dem Empfangstresen des Hotels, hatte seine Zimmerschlüssel in der Hand und konnte gar nicht glauben dass alles so gut klappte. Während er zum Aufzug ging sah die Situation tausende Kilometer weiter westlich für die beiden Frauen ganz anders aus. Annina und Yeliz kamen gerade aus dem Büro ihres Chefs und ihre Köpfe hingen so tief das die Nasen fast die Fußspitzen ihrer schuhe berührten. Sie hatten sich anhören müssen was für Anfängerinnen und Versagerinnen sie wären. Nie wieder würden sie so einen Auftrag erhalten und sie könnten sich schon mal darauf einstellen das es im Archiv, dort würden jetzt ab sofort eingesetzt sein, ein Ende hätte mit dem schonen Leben und Tageslicht zu einer Rarität in ihrem Alltag werden würde. Sie hatten dem nichts entgegen zu setzen und schlichen ohne ein Widerwort zu geben aus dem Buero. Annina hob plötzlich ihren Kopf bekam einen starren, alles durchdringenden Blick, drehte sich um und marschierte direkt auf die Tür ihres Chefs zu. Dann riss sie die Tür ohne zu klopfen auf, und brüllte “ …so nicht mein lieber, auf gar keinen Fall werde ich hierfür die Verantwortung übernehmen. Hier ist meine Dienstmarke und meine Waffe, ich kündige“ gesagt, getan und sie donnert mit aller Wut die in ihr war die Gegenstände auf den Tisch. Yeliz hatte vom Türrahmen aus die Szene beobachtet und tat es ihrer Schwester gleich. Mit einem Grinsen auf den Gesichtern Verliesen sie das Gebäude. “ Du hättest das nicht tun müssen Yeliz, ich konnte nur einfach nicht mehr weiter diesen Job machen“ Kein Problem antwortet Yeliz und zog die Wagenschlüssel aus der Hosentasche. Lachend steuerten sie dem International Airport von Phoenix entgegen. Während der letzten Stunden hatte sie sich laufend über den Aufenthaltsort von Tammo informieren lassen. Es wusste ja niemand in den zuständigen Abteilungen dass sie nichts mehr mit dem Projekt „El Paso“ zu tun hatten. So waren die beiden bestens informiert und wussten dass ihr Ziel nur einen Namen haben konnte. Barcelona, die katalanische Stadt überhaupt. Die Flüge waren schon gebucht auf ihren Namen und sie gingen direkt zum check in Schalter und wenige Stunden später waren alle mal wieder vereint in einem Hotel. Nur wusste Tammo zu diesem Zeitpunkt nichts von seinem Glück. Klingeln, Klingeln, ein pausenloses Klingeln ging es ihr durch den Kopf. Sie schlug die Augen auf und war wach. Ohh man, was für ein Traum war das den wieder gewesen. Wieder hallte die nerv tötende Klingel von unten in die 1 Etage der Doppelhaushälfte. Doch kein Traum, Gelda streckte sich und lies sich aus dem Bett fallen, ein Blick auf die Uhr verriet ihr das es kurz nach 8:00 Uhr war und verfluchte den Paketdienst der immer alle Pakete der Nachbarschaft bei ihr ablieferte. Durch ihren Schichtdienst war sie meistens am Vormittag zuhause, dies machte sich der Lieferfahrer zunutze und packte immer alles was er nicht zustellen konnte bei ihr ab. Mit wütenden Schritten ging sie die Treppe herab, riss die Tür auf und wollte gerade losbrüllen als sie aus ihren verschlafenen Augen ihren Bruder vor sich sah. Alle Wut vom verfrühten wecken war sofort verflogen und sie nahm Tammo ganz lachend in ihre Arme. Wo er den um diese Uhrzeit herkäme, wo er den alle die letzten Monate gewesen sei, das er sich ruhig mal hätte melden können und das sie sich wie Jeck freuen würde das er jetzt da wäre. Tammo erzählte in groben Zügen über seine Odyssee die er hinter sich hatte , von seinem Auftrag den er angenommen hatte, dem Treffen in El Paso, der explodierenden Tankstelle, seiner Flucht aus den Staaten, und den kleinen Episoden die zwischen all diesen Dingen passiert waren. Mittlerweile war darüber Mittag geworden, sie hatten sich Spagetti Bolognese gemacht, 2-3 Gläser Wein dazu getrunken und über die Geschichten herzhaft gelacht. „Tammo“ sagte Gelda in einem Tonfall den er allzu gut kannte, „du bist einfach immer schon ein Glückspilz gewesen und wirst das auch immer sein“ drückte ihn an sich und küsste ihn auf die Stirn. Wie es den mit heute Abend aussehen würde, fragte sie ihn, ob er weiter wolle oder es sich hier in dem Dorf noch ein paar Tage gemütlich machen wolle. An diesem Abend wäre ein Party in einem der drei Lokale in die man hier in dem Dorf überhaupt hingehen könnte, eine Art Klassentreffen für Leute die sich früher in einer Einrichtung der Stadt getroffen hatten um dort ihre ersten Discoerfahrungen zu machen, heimlich Bier zu trinken um dann das erste Mal geküsst zu werden. Da höre sich doch gut an sagte Tammo, er hätte nicht vor so schnell wieder los zu wollen und wenn es möglich ist eine Zeit hier bei seiner Schwester in der leer stehenden Einliegerwohnung zu bleiben. Natürlich war dies kein Problem und so machten sich die beiden auf nachdem sie sich in den beiden Bädern geduscht und frische Klamotten übergestreift hatten. Die Flasche Wein die mittlerweile leer war zeigte Wirkung und zaubert einen zufriedenen Gesichtsausdruck in ihre Gesichter. Laut 80’er Jahre Musik dröhnt ihnen entgegen als die Tür aufging, und sie die Kneipe betraten. Der Saal und der Thekenbereich waren gut gefüllt und viele der anwesenden Frauen hatten sich auf ihre alten Tanzschritte besonnen und arbeiten sich aus den Blusen. Den einen oder anderen kannte Tammo noch vom sehen, viele andere erkannte er gar nicht mehr oder wollte er das vielleicht auch gar nicht erst, er wusste es nicht. Gelda kam mit 2 Kölsch zu ihm, sie prosteten sich zu und wünschten sich gegenseitig einen spaßigen Abend. 10 kleine Kölsch später lächelte er, so wie immer wenn es ihm gut ging , wenn er sich sicher und zufrieden fühlte……

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